Baumpflege Tübingen

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Streuobstwiesen verschwinden

 

Streuobstwiese im Herbst - Foto: M. Großmann, pixelio.de

War der Verlust im Landschaftsbild früherer Jahre offensichtlich – die Bäume wurden gerodet, Häuser gepflanzt – so ist die Kulisse vordergründig noch vorhanden. Zum langsamen Siechtum nicht gepflegter Obstbäume kommt nun aber die Abnahme der Artenvielfalt der Wiese durch verändertes “ Wiesenmanagement“.

Die ihrer Entstehung zugrunde liegende Doppelnutzung – Obst und Raufutter – ist zwar noch gegeben, aber durch frühes Mähen, Abweiden oder Mulchen entsteht eine eintönigere Pflanzengesellschaft, als vom ökologischen Standpunkt aus gewünscht.

Früher Schnitt schon im Mai zur Gewinnung von Grassilage verdrängt auf Dauer konkurrenzschwache Blütenpflanzen zugunsten von Gräsern.

Noch nachteiliger wirkt sich Beweidung aus. Selektives Fressen und der Nährstoffeintrag lassen viele mehrjährige Wiesenstauden verschwinden.

Das allerletzte in dieser Reihe ist die „Rasentraktorpiste“ – alle vier Wochen drüber fahren und fertig. In solch einer grünen Wüste finden weder Schmetterling noch Honigbiene Nahrung.

Dabei ist auch eine naturnahe Wiesenpflege ohne großen Aufwand möglich.

Sicher, für Haupterwerbslandwirte ist ein hoher Grasanteil vor der Blüte – als Anwelksilage im Mai gemäht – einfacher und ertragreicher als im Juni gewonnenes Heu, welches als Leistungsfutter eher nicht geeignet ist. Auch für Pferde ist das Heu nicht mehr verwendbar – die Tiere würden es ja mögen, aber die Besitzer rümpfen die Nase. Schön grün und duftend muss es sein und am besten in kleinen Portionen abgepackt.

Insofern ist der Wert des Futtergrases einer Streuobstwiese oft nur noch ein Entsorgungsproblem.
Wer seine Streuobstwiese erhalten möchte, aber die Kosten der Entsorgung des Schnittgutes scheut, kann es auf dem Grundstück lagern – so wie den Baumschnitt auch. Der Anblick mag gewöhnungsbedürftig sein, aber besser als die erstgenannten Varianten ist es auf jeden Fall.

Je nach Standort ist die Streuobstwiese in der Regel der Wiesentyp „Glatthaferwiese“ oder an Waldrändern auch z. T. „Gehölzsaum“.

Wie groß der Unterschied dieser artenreichen Wiesentypen im Gegensatz zu Dauergrünland oder kurzgemähtem Rasen!

Unterschiedliche Austriebsfarben, Blatt- und Stengelformen, reifende Samenstände und herbstbunte Blätter und Halme prägen das Bild.

Diese Wiesen sind wichtige Rückzugsgebiete für viele Lebewesen und Pflanzen. Schwebfliegen und Schlupfwespen finden Überwinterungsplätze, ihr Bestand wird erhalten und steht zur biologischen Schädlingsbekämpfung zur Verfügung.

Dasselbe gilt für Wiesenpflanzen, welche in der intensiv bewirtschafteten Feldflur (Ackerrandstreifen) kaum noch vorkommen.

Wer es besonders gut meint, kann der Vielfalt in seiner Wiese mit der Pflanzung typischer Wiesenstauden nachhelfen. Zur Auswahl stehen alle Pflanzen, welche dem Typ der Wiese entsprechen. Im Falle der Glatthaferwiesen sind dies zum Beispiel:

Pfennigkraut Wiesenschafgarbe
Milchstern Wiesenkerbel
große Bibernelle Bergflockenblume
kleine Braunelle Echter Kümmel
Knöllchensteinbrech Margerite
Taglichtnelke Wiesenlabkraut
Wiesenbocksbart Bärenklau
Wiesenalant Wolliges Honiggras
Wiesenblatterbse Wiesenknautie
Fadenehrenpreis Baldrian

Foto: © M. Großmann, pixelio.de

Tags: Allgemein · Streuobstwiesen · Tipps

2 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 Jörn // Nov 22, 2016 at 21:50

    Finde das Thema spannend, aber der Beitrag hilft mir bei der Frage nicht weiter, was ich mit der Streuobswiese am besten anstelle. Zwei Jahre hatten wir Schafe, mit dem Ergebnis, dass vier Bäume tot sind und einige verletzt. Um jeden Baum drei Pflöcke und Stacheldraht? Also doch wieder mähen, aber wann? Ich liebe die wilden Wiesen, wenn im Juli noch nicht gemäht wurde. Aber Wühlmäuse auch. Und zum ernten brauch ich kurzes Gras.
    Wie ist also „die naturnahe Wiese ohnen großen Aufwand“ möglich?

  • 2 rickmerstohp // Nov 24, 2016 at 09:25

    So wie früher – mähen im Juli nach der Blüte und Heu machen. Das gleiche nochmal zum 2. Schnitt und wenn nötig, vor der Ernte die Schafe drauf oder kurz mähen. Bei jungen Bäumen Knotengitter weiträumig um den Standort des Baumes und hoch genug. Nach der Ernte und nach den Spätfrösten Wühlmäuse jagen. Nisthilfen schaffen für Wühlmausjäger (Eulen,Greife,Mauswiesel). Mehr braucht´s nicht. Gruß

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