Baumpflege Tübingen

Baumpflege Tübingen header image 2

Post aus dem Mostviertel

Heute hat mich folgende Email aus dem österreichischen Mostviertel erreicht, die ich hier gerne veröffentliche:

„Sehr geehrte Freunde unseres Mostviertels,
sehr geehrte Streuobstfreunde…,

bis ein Birnbaum so alt wird wie dieser, braucht es besondere Pflege. Wie im Bild 3 unser ältester Mostbirnbaum zu sehen ist , wurde dieser zu Zeiten Maria Theresias von unseren Vorfahren gepflanzt, wofür ich ihnen heute noch Danke. Obwohl er keine fetten Renditen abwirft, verdient er seine Beachtung und unsere ganz besondere Wertschätzung.

Streuobstwiese im Mostviertel. Foto: Mitterhuber

Streuobstwiese im Mostviertel. Foto: Mitterhuber

Um großartige Gewinne zu machen, brauchen wir Mostviertler keine Streuobstbäume pflanzen, doch es ist einfach ein Lebensgefühl, man ist einfach froh, wenn man rund um den Hof Obstbäume hat. Unsere Vorfahren hatten einfach einen ganz anderen Bezug zu den Obstbäumen, ich trau mich fast zu sagen, dass es etwas Heiliges war. Diese Bäume wurden behütet und liebevoll gepflegt, mit der Sense wurde um die Bäume sehr sorgfältig ausgemäht, denn der Baum durfte ja nicht verletzt werden. Heute, wenn Land verpachtet wurde, kommen große Erntemaschinen vom Horizont herauf, man könnte fast glauben, dass die Bäume sich schon davor fürchten.

Alles muss schnell gehen und da fällt es oft keinem Traktorfahrer auf, wenn ein Baum beschädigt wurde, hier zählen oft nur die etwas höheren Ausgleichszahlungen solcher Pachtflächen, dass solche Streuobstgärten überhaupt gemäht werden. Aber so schnell wie die mechanische Verletzung verursacht wurde, heilen solche Wunden nur sehr langsam. Hier ist, so glaube ich, jeder Baum sehr dankbar, wenn man ihn fachmännisch verarztet und den Ersthelfer macht.

Ausschneiden des losen Rindengewebes und einen Sprühverband anlegen und abwarten, wie der Heilprozess vor sich geht. Die meisten Verursachern kümmert dies oft sehr wenig, dies wird einfach nicht beachtet, denn es muss ja alles wieder schnell im Silo landen.

Aber es gibt sie wieder im Mostviertel die ihre Obstbäume so schätzen, wie einst ihre Vorfahren, viele sind es sicherlich nicht, aber es gibt solche Menschen und das freut mich.

Dieser alte Mostbirnbaum, der auf unserem Hof immer als Hasenbirne bezeichnet wird, wurde also zwischen 1740 – 1780 gepflanzt. so die Überlieferung. Denn zu dieser Zeit regierte Maria Theresia. Er ist der Letzte, der übrig blieb, der letzte seiner Reihe und der letzte von 40 einst so mächtigen knorrigen Herren. Er ist aus der Erde gewachsen und ich gebe ihn der Erde wieder zurück. Es ist nicht die Zeit der fetten Renditen, die solche Mostobstbäume abwerfen, aber es ist fetter Lehm, wo solch mächtige Bäume gedeihen und es ist die Zeit, wo Lebensmittel wieder einen anderen Stellenwert haben als einst. Streuobstgärten sind nicht nur begehrte Lebensräume für so manches Getier, sondern auch ein besonderer Lebensraum für uns Menschen, was wir nicht vergessen sollten. Sauerstoffspender, eigenes Mikroklima und eine ganz besondere Schwingung, die in unserer unmittelbarer Umgebung einfach wohl tut. Pflegen und behüten wir sie wie einst unsere Väter und geben wir, wenn der Tag kommt wieder unseren Nächsten weiter. Heute sind andere Faktoren, die die Bäume zusätzlich schädigen, Luftverschmutzung, Verfrachtung von Agrochemie, Ausbreitung von nicht heimischen Schädlingen usw..

Aber auch die Wiedergeburt der Gärten, wo Gehölze und Erden aus allen Herrenländern zu uns gelangen, die fordert natürlich auch seinen Zoll. Schädlinge, die wir nicht kannten, tauchen auf und schädigen unsere Natur zusätzlich. Der Birnengitterrost ist mittlerweile flächendeckend anzutreffen, wo die Zwischenwirte dieses Pilzes unbedingt entfernt werden sollten. Aber auch Misteln breiten sich sehr rasch von solchen Streuobstgärten aus, die keine Pflege erhalten. Überdüngung und Versalzung der Erden in den Streuobstgärten sind mancherorts ein Thema. Aber auch zu gut gemeinte und falsche Düngung stellt eine ernste Gefährdung dar. Gerade in jungen Jahren sollten die Obstbäume auch winterfit gemacht werden, also mit einem Weißanstrich versehen werden, der vor Frostschäden schützen soll. Gerade bei einer zu hohen Stickstoffversorgung kommt es häufig zu Rindenschäden. Eines der wichtigsten Themen ist die sachgerechte Düngung, wo kein chloridhaltiger Dünger verwendet werden soll.

So, nun ist es bei uns Zeit zum Mittagessen, Mahlzeit und  liebe Grüße nach Franken wünscht Ihnen

Walter Mitterhuber“

 

 

 

 

Tags: Allgemein · Streuobstwiesen

0 Antworten bis jetzt ↓

  • Es gibt keine Kommentare bis jetzt.

Hinterlasse einen Kommentar