Baumpflege Tübingen

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Sommerschnitt + Winterschnitt

Die meisten Obstbäume werden nur im Winter geschnitten. Dabei hat gerade der Sommerschnitt gegenüber dem Winterschnitt mancherlei Vorteile.

Der Sommerschnitt hat gegenüber dem Winterschnitt einige Vorteile

Alte Apfelsorte: Brettacher

Dafür, dass in unseren Breiten die meisten Bäume ausschließlich im Winter geschnitten werden, hat die Schweizer Biologin Dr. Katrin Joos in einem Aufsatz für den Bund Schweizer Baumpflege eine ebenso verblüffende wie plausibele Erklärung: Traditionellerweise werde der Obstbaumschnitt „von Bauern und der Zierbaumschnitt von Gärtnern durchgeführt – zwei Berufszweige, die während der Vegetationsperiode von Frühjahr bis Herbst voll und ganz mit anderen Arbeiten beschäftigt sind.“ In England hingegen, wo Gartenarchitektur und damit auch der Baumbestand seit Jahrhunderten eine zentrale Bedeutung hätten, habe sich schon früh die Berufssparte der Baumpfleger herausgebildet – ein Berufszweig, der das ganze Jahr über arbeitet und sich die verschiedenen Arbeiten saisonal so einteilt, „dass sie nach baumbiologischen Kriterien zum bestmöglichen Zeitpunkt ausgeführt werden.“

Unterschiedliche Auswirkungen von Sommerschnitt und Winterschnitt

Grundsätzlich kann ein Obstbaum zweimal im Jahr geschnitten werden – in der vegetationslosen Zeit zwischen November und März und als Sommerschnitt in den Monaten Juli und August. Beide Schnitte haben auf den Baum sehr unterschiedliche Auswirkungen: Während der Winterschnitt, die Standardmaßnahme bei Obstbäumen, das Triebwachstum in der folgenden Wachstumseriode fördert, wird der Sommerschnitt gerne bei sehr großen Gehölzen angewendet, deren Wachstum begrenzt werden soll. Denn durch den Schnitt im Sommer werden dem Baum Assimilate entzogen, wodurch das Triebwachstum im folgenden Jahr schwächer ausfällt.

Sommerschnitt: Schnittwunden verheilen schnell und sicher

Pluspunkt für den Sommerschnitt: Wunden verheilen schnell und sicher

Aber auch bei Jungbäumen im Alter von zwei bis fünf Jahren, deren Leittriebe noch jedes Jahr zurückgeschnitten werden müssen, um ein möglichst tragfähiges Kronengerüst zu erzielen, sind dafür die Monate Juli bis August der richtige Zeitpunkt: Die krautartigen, überflüssigen Triebe können mit einem scharfen Messer entfernt werden und die Wachstumsperiode ist noch lang genug, damit die dabei entstehenden Wunden rasch verheilen können.

Sommerschnitt: Vorteile im Überblick

Sommerschnitt: Vorteile auf einen Blick Baumeigene Abwehrmechanismen zum Schutz vor Fäulniserregern werden im Sommer schnell aktiviert
Rasche Bildung von Wundholz. Schnelles Verschließen der durch den Schnitt verursachten Wunde
Geringeres „Ausbluten“ an der Schnittstelle, dadurch geringere Fäulnisbildung
Schwächeres Triebwachstum im Folgejahr

Entgegen der gängigen Praxis, Obstbäume im Winter zu schneiden, spricht also vieles dafür, den Kronenschnitt in die Sommermonate zu verlegen.

Beim Erstschnitt von alten Obstbäumen nach einer Zeit fehlender oder falscher Pflege sollte behutsam vorgegangen und maximal 30 Prozent des Kronenvolumens entfernt werden, um Sonnenbrand zu vermeiden. Lieber weniger und unter Umständen im Winter noch einmal schneiden.

Bleibt noch die Frage zu klären, wann die Krone von Obstbäumen auf keinen Fall geschnitten werden sollten. Die Antwort: im Frühjahr während des Laubaustriebs und Knospenbruchs sowie im Herbst, solange das Laub noch nicht vollständig abgefallen ist.