Artenschutz

Wie die Streuobstwiesen verschwinden

Streuobstwiese bei Tübingen

Bedrohte Idylle: Streuobstwiese – © Wolf Schroth

War der Verlust an Streuobstwiesen im Landschaftsbild früherer Jahre offensichtlich – die Bäume wurden gerodet, Häuser gepflanzt – so ist die Kulisse vordergründig noch vorhanden. Zum langsamen Siechtum nicht gepflegter Obstbäume kommt nun aber die Abnahme der Artenvielfalt der Wiese durch verändertes “Wiesenmanagement”.

Die ihrer Entstehung zugrunde liegende Doppelnutzung – Obst und Raufutter – ist zwar noch gegeben, aber durch frühes Mähen, Abweiden oder Mulchen entsteht eine eintönigere Pflanzengesellschaft, als vom ökologischen Standpunkt aus gewünscht.

Grüne Wüste statt bunter Artenvielfalt

Früher Schnitt schon im Mai, zur Gewinnung von Grassilage, verdrängt auf Dauer konkurrenzschwache Blütenpflanzen zugunsten von Gräsern. Noch nachteiliger wirkt sich Beweidung aus. Selektives Fressen und der Nährstoffeintrag lassen viele mehrjährige Wiesenstauden verschwinden. Das Allerletzte schließlich in dieser Negativreihe ist die “Rasentraktorpiste” – alle vier Wochen drüber fahren und fertig. In solch einer grünen Wüste finden weder Schmetterling noch Wildbiene Nahrung. Dabei ist eine naturnahe Wiesenpflege ohne großen Aufwand möglich.

Sicher, für Haupterwerbslandwirte ist ein hoher Grasanteil vor der Blüte – als Anwelksilage im Mai gemäht – einfacher und ertragreicher als im Juni gewonnenes Heu, welches als Leistungsfutter eher nicht geeignet ist. Auch für Pferde ist das Heu nicht mehr verwendbar – die Tiere würden es ja mögen, aber die Besitzer rümpfen die Nase. Schön grün und duftend muss es sein – und am besten in kleinen Portionen abgepackt.

Insofern ist der Wert des Futtergrases einer Streuobstwiese oft nur noch ein Entsorgungsproblem. Wer seine Streuobstwiese erhalten möchte, aber die Kosten der Entsorgung des Schnittgutes scheut, kann es auf dem Grundstück lagern – so wie den Baumschnitt auch. Der Anblick mag gewöhnungsbedürftig sein, aber besser als die erstgenannten Varianten ist es auf jeden Fall.

Je nach Standort ist die Streuobstwiese in der Regel der Wiesentyp “Glatthaferwiese” oder an Waldrändern auch z. T. “Gehölzsaum”. Der Unterschied dieser artenreichen Wiesentypen im Vergleich zu zu Dauergrünland oder kurzgemähtem Rasen ist immens.

Unterschiedliche Austriebsfarben, Blatt- und Stengelformen, reifende Samenstände und herbstbunte Blätter und Halme prägen das Bild. Diese Wiesen sind wichtige Rückzugsgebiete für viele Lebewesen und Pflanzen. Schwebfliegen und Schlupfwespen finden Überwinterungsplätze, ihr Bestand wird erhalten und steht zur biologischen Schädlingsbekämpfung zur Verfügung. Dasselbe gilt für Wiesenpflanzen, welche in der intensiv bewirtschafteten Feldflur (Ackerrandstreifen) kaum noch vorkommen.

Typische Wiesenstauden anpflanzen

Wer es besonders gut meint, kann der Vielfalt in seiner Wiese mit der Pflanzung typischer Wiesenstauden nachhelfen. Zur Auswahl stehen alle Pflanzen, welche dem Typ der Wiese entsprechen. Im Falle der Glatthaferwiesen sind dies zum Beispiel:

Pfennigkraut

Milchstern

große Bibernelle

kleine Braunelle

Wiesenschafgarbe

Wiesenkerbel

Bergflockenblume

Echter Kümmel

Knöllchensteinbrech

Taglichtnelke

Wiesenbocksbart

Margerite

Wiesenlabkraut

Bärenklau

Wiesenalant

Wiesenblatterbse

Fadenehrenpreis

Wolliges Honiggras

Wiesenknatie

Baldrian

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